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NOTFALL- UND GEFAHRENREAKTIONS- SYSTEME (NGRS)

Feuermelder Noch vor etwa sechs Jahren gab es schlichtweg keine ganzheitlichen technischen und/oder organisatorischen Lösungen zum Thema Sicherheit in öffentlichen Gebäuden. Gerade nach dem tragischen Amoklauf in Winnenden wuchsen der Bedarf und die Nachfrage, insbesondere in Hinblick auf die Schulsicherheit. Im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI) entstanden 2010 die ersten Arbeitsgruppen zu diesem Thema, welche später bei der DKE in einem Arbeitskreis mündeten. Als erste Meilensteine wurden im ersten Quartal 2015 Teil 1 und 2 der Vornorm „Notfall- und Gefahren-Reaktions-Systeme (NGRS)“ als Entwurf veröffentlicht.

Ein NGRS dient dazu, Ereignisse (Notfall- und Gefahrenmeldungen) aufzunehmen, an einen technischen Empfänger weiterzuleiten und in geeigneter Weise bei einer hilfeleistenden Stelle darzustellen. Durch die Quittierung des Empfangs übernimmt die hilfeleistende Stelle die Verantwortung für die Verifikation und Einleitung definierter Maßnahmen laut Risikomanagementakte. An der auslösenden Stelle wird die Quittierung in geeigneter Weise dargestellt. Eine automatische oder manuelle Reaktion soll Schaden für Personen abwenden und das auslösende Ereignis und damit die Alarmbedingung beenden.

Der erste Teil „Grundlegende Anforderungen, Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Aktivitäten“ beschreibt u. a. technische Prozesse und Verantwortlichkeiten zur Unterstützung aller Abläufe von der Erfassung eines Notfalls oder einer Gefahr bis zur Beseitigung. Er umfasst das technische Risikomanagement mit Schutzzieldefinition, Ablauforganisation, Rollen sowie die notwendigen Vorgaben für eine Risikomanagementakte. Die Vornorm nennt die grundlegenden Anforderungen für NGRS in öffentlichen Gebäuden, wie Bildungseinrichtungen (z. B. Schulen, Universitäten), Behörden, Kindergärten und ähnlichen Einrichtungen, kann aber auch in nicht öffentlichen Gebäuden mit ähnlichem Risiko und Schutzbedürfnis angewendet werden. Teil 2 enthält ergänzende Anforderungen für Notfall- und Gefahren-Sprechanlagen (NGS) und ist zusammen mit Teil 1 für Planung, Errichtung, Inbetriebnahme, Übergabe, Betrieb und Instandhaltung von Notfall- und Gefahren-Sprechanlagen anzuwenden. Diese dienen der Übertragung von Notfall- und Gefahrenmeldungen an eine hilfeleistende Stelle zur Fern-Beurteilung der Lage mittels Sprachkommunikation und somit der Einleitung der geeigneten Interventions-, Schutz- und Rettungsmaßnahmen.

Über eine NGS können weiterhin Verhaltensanweisungen sowie zusätzliche Informationen übertragen werden und sie kann für die alltägliche Kommunikation genutzt werden. Je nach Sicherheitsgrad sind sie durch eine hohe Verfügbarkeit, Endgeräteüberwachung und permanente Systemüberwachung gekennzeichnet. Es ist nicht Ziel der Vornorm, immense Investitionen vorzuschreiben. Ihr Endprodukt ist vielmehr die sogenannte Risikomanagement-Akte, in der beschrieben wird, wie Aufgaben, Verantwortlichkeiten, Prozesse und mögliche einzusetzende Technik erfasst, beschrieben und umgesetzt werden. Hierbei bleibt die Vornorm ergebnisoffen und dient als Leitfaden, den Bedarf, Ziele und deren Ausführung zu erfassen und zu beschreiben. Einen konkreten Bedarf definiert sie nur im Zusammenhang mit dem jeweils zutreffenden Risikograd.

Kontakt
Sieradzki, Henryk
+49 69 6308-370
henryk.sieradzki@vde.com